09.06. - 10.06.2026: GDI-Forum Brandenburg 2026

Wie können Geodaten Kommunen bei der Digitalisierung unterstützen? Welche Rolle spielen Datenplattformen, Digitale Zwillinge und künstliche Intelligenz? Antworten auf diese und viele weitere Fragen lieferte das GDI-Forum Brandenburg 2026 am 9. und 10. Juni.

Den Auftakt bildete die Präsenzveranstaltung im GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam, gefolgt von einer Online-Session am nächsten Tag. Die von der Kontaktstelle GDI-DE im Land Brandenburg organisierte Veranstaltungsreihe hat sich längst als wichtiger Treffpunkt für Fachleute aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft etabliert. Das wachsende Interesse und die steigenden Teilnehmerzahlen zeigen: Geodaten gewinnen zunehmend an Bedeutung und der Bedarf an Austausch, Vernetzung und praxisnahen Lösungen wächst stetig.

Unter dem Motto „Geodaten entdecken. Schätze heben.“ stand in diesem Jahr die Frage im Mittelpunkt, wie vorhandene Geodaten noch besser genutzt werden können. Im Fokus standen moderne Datenplattformen, innovative Anwendungen und konkrete Praxisbeispiele aus Kommunen, Ländern und Forschungseinrichtungen.

Agenda GDI-Forum Brandenburg 2026

Tag 1: Präsenzveranstaltung

Block I: Grundlagen und Perspektiven
Der erste Tag des GDI-Forums Brandenburg wurde durch Herrn Rauch, stellvertretender Geschäftsführer der LGB (Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg), eröffnet sowie anschließend durch den Staatssekretär des Ministeriums des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg (MIK) Herrn Schüler eingeleitet. In ihren Grußworten machten die Redner deutlich: Eine leistungsfähige Geodateninfrastruktur lebt vom Zusammenspiel vieler Akteure. Der größte Nutzen entsteht dort, wo Kommunen, Land, Bund, Wissenschaft und Wirtschaft ihre Daten und Kompetenzen miteinander verknüpfen. Dabei kommt den Kommunen eine Schlüsselrolle zu, sowohl als wichtige Datenlieferanten als auch als zentrale Anwender von Geodaten. Mit der fortschreitenden Digitalisierung der Verwaltung wächst zugleich der Bedarf an verlässlichen, aktuellen und interoperablen Geodaten. 

Der fachliche Auftakt des ersten Themenblocks stand ganz im Zeichen kommunaler Datenplattformen und ihrer wachsenden Bedeutung für die Geodateninfrastruktur. Herr Neumann von der DigitalAgentur Berlin-Brandenburg (DABB) zeigte auf, welche Chancen die europäischen Datenrichtlinien für Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft eröffnen. Ein besonderer Fokus lag auf der High-Value-Datasets-Verordnung (HVD-DVO), ihrer Umsetzung in Deutschland und Brandenburg sowie den bisherigen Erfahrungen aus der Praxis.

Europäische Richtlinien im Wandel: Potentiale und Perspektiven (Hr. Neumann, DABB / MdJD)

Im Anschluss beleuchtete Frau Heinrich vom Deutschen Städtetag die Rolle kommunaler Dateninfrastrukturen innerhalb der Geodateninfrastruktur (GDI). Im Mittelpunkt standen Smart Cities, Urbane Digitale Zwillinge und kommunale Datenplattformen. Anhand des Expertenpapiers des Deutschen Städtetags zu Urbanen Digitalen Zwillingen wurden die verschiedenen Ansätze eingeordnet, ihre Potenziale aufgezeigt und durch anschauliche Praxisbeispiele greifbar gemacht.

Kommunale Dateninfrastrukturen im Fokus: Smart Cities, Digitale Zwillinge & Co. (Fr. Heinrich, Arbeitskreis Geoinformation des Deutschen Städtetages)

Block II: Vernetzung und Umsetzung
Wie können Kommunen Daten effizient nutzen, verknüpfen und bereitstellen? Mit dieser Frage befasste sich der zweite Themenblock. Herr Wagenknecht (LGB) gab in seiner Einführung einen Überblick über die vielfältigen Ausprägungen kommunaler Datenplattformen und ihre zunehmende Bedeutung für zukunftsfähige Verwaltungsprozesse.

Anschließend stellte Herr Hübner von der Landeshauptstadt Potsdam die Urbane Datenplattform im Rahmen des Modellprojekts Smart City Potsdam vor. Ziel der Plattform ist es, Daten aus unterschiedlichen Fachbereichen zentral zusammenzuführen, miteinander zu verknüpfen und anschaulich zu visualisieren. Dabei ordnete er die Urbane Datenplattform in die digitale Landschaft der Stadt ein und grenzte sie von weiteren Angeboten wie dem Geoportal und dem Digitalen Zwilling ab. Darüber hinaus gab er Einblicke in aktuelle Herausforderungen bei Aufbau und Betrieb der Plattform sowie in die zukünftigen Entwicklungsperspektiven.

Urbane Datenplattform Potsdam – Karten, Statistik, Sensordaten, von Jahresbericht bis Echtzeitsensorik (Hr. Hübner, Stadt Potsdam)

Im weiteren Verlauf stellte Herr Linack die Planungen für die Datenplattform des Landkreises Oberspreewald-Lausitz vor. Die Plattform soll künftig gemeinsam mit weiteren Partnern landkreisübergreifend genutzt werden. Ziel ist es, vorhandene Verwaltungsdaten standardisiert bereitzustellen und besser nutzbar zu machen. Eine zentrale Rolle spielen dabei GDI-konforme Schnittstellen, die eine effiziente Visualisierung, Vernetzung und Analyse der Daten ermöglichen.

Datenplattform Oberspreewald-Lausitz (Hr. Linack, Landkreis Oberspreewald-Lausitz)

Mit der Urban Data Platform Hamburg zeigte Herr Fingerhut von der GDI Hamburg schließlich ein Beispiel für eine bereits etablierte und umfangreiche Datenplattform. Anhand von Geobasis- und Fachdaten, Simulationen sowie verschiedenen Anwendungen wurde deutlich, wie Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt und nutzbar gemacht werden können. Besondere Aufmerksamkeit erhielten dabei die Integration von Echtzeitdaten sowie der KI-gestützte Assistent „UDP Agent“.

Urban Data Platform Hamburg (Hr. Fingerhut, GDI-HH)

Den Abschluss des Themenblocks bildete eine lebhafte Podiumsdiskussion. Die Vortragenden waren sich einig, dass kommunale Datenplattformen ihr volles Potenzial insbesondere dann entfalten, wenn Daten über standardisierte Schnittstellen interoperabel bereitgestellt und organisationsübergreifend genutzt werden können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass neben technischen Lösungen vor allem die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Ländern und weiteren Akteuren entscheidend für den langfristigen Erfolg solcher Plattformen ist. Insgesamt zeigte der Themenblock eindrucksvoll, welche Chancen kommunale Datenplattformen für eine datenbasierte und zukunftsfähige Verwaltung bieten.

Block III: Anwendungen und Innovationen
Im dritten Vortragsblock standen technische Anwendungen und innovative Werkzeuge der Geodateninfrastruktur im Fokus. Frau Eichstädt vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Europa (MWEKE) stellte den gemeinsam mit der LGB entwickelten „Klima-Viewer“ Brandenburg vor. Die interaktive Webanwendung soll künftig Klima- und Klimafolgendaten übersichtlich visualisieren und bereitstellen. Anhand des aktuellen Prototyps wurden bereits erste Inhalte präsentiert, darunter Klimasignale zu den Themen Temperatur, Niederschlag und Wasserhaushalt sowie modellbasierte Veränderungen für den Zeitraum 2031 bis 2060 im Vergleich zur Referenzperiode 1971 bis 2000.

Die Präsentation wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht.

Wie eine gemeinsame Datengrundlage die Radverkehrsplanung unterstützen kann, zeigte Herr Bartz vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL). Er stellte den Aufbau der Datenplattform Radverkehr vor, die künftig Informationen von Land, Landkreisen, Städten, Gemeinden und weiteren Akteuren bündeln soll. Ziel ist eine flächendeckende, baulastträgerübergreifende Datengrundlage für die Planung und Entwicklung des Radverkehrs in Brandenburg. Während die Daten zentral bereitgestellt und nutzbar gemacht werden, bleibt die Pflege der Inhalte weiterhin in der Verantwortung der jeweiligen Baulastträger vor Ort.

Auf dem Weg zu einer Datenplattform Radverkehr (Hr. Bartz, MIL)

Einen Blick auf die Potenziale künstlicher Intelligenz in der Geodateninfrastruktur Brandenburg gab Herr Mohr von der LGB. Nach einer Einführung in die Funktionsweise von Large Language Models (LLM) zeigte er verschiedene Einsatzmöglichkeiten auf – von der KI-gestützten Geodatensuche über die Verbesserung der Datenqualität bis hin zur Automatisierung von Arbeitsabläufen. Am Beispiel des Chat-Assistenten „Mapchat“ wurde veranschaulicht, wie KI den Zugang zu Geodaten erleichtern und die Effizienz bei der Bearbeitung geobezogener Aufgaben steigern kann.

Potenziale von KI in der Geodateninfrastruktur Brandenburg (Hr. Mohr, LGB)

Den Schlusspunkt des ersten Veranstaltungstages setzte Herr Wagenknecht (LGB) mit einem Rückblick auf die zentralen Themen und Erkenntnisse des GDI-Forums Brandenburg 2026. Er griff die wichtigsten Impulse der Vorträge auf, warf zugleich einen Blick auf die Online-Session am Folgetag und ermutigte die Teilnehmenden, den begonnenen fachlichen Austausch auch über das Forum hinaus fortzuführen.

Tag 2: Online-Session

Der zweite Veranstaltungstag des GDI-Forums Brandenburg 2026 stand ganz im Zeichen innovativer Anwendungen und neuer Perspektiven auf Geodaten. In einer Online-Session wurden aktuelle Projekte, technische Entwicklungen und Forschungsergebnisse vorgestellt. Die fünf Fachvorträge zeigten dabei eindrucksvoll, welches Potenzial in der intelligenten Nutzung von Geodaten steckt und wie sie Verwaltung, Wissenschaft und Bildung gleichermaßen unterstützen können.

Wie finden Geodaten ihren Weg in Portale, Anwendungen und Suchdienste? Dieser Frage widmete sich Frau Fuhrmann von der LGB zum Auftakt der Online-Session. Sie veranschaulichte den Weg der Metadaten durch die Geodateninfrastruktur – von der Erfassung über Katalogdienste bis hin zur Bereitstellung auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene. Dabei wurde auch deutlich, wie wichtig eine sorgfältige Pflege und gezielte Kennzeichnung von Metadaten für die Auffindbarkeit und Nutzung von Geodaten ist.

Metadaten – das Tor nach außen (Fr. Fuhrmann, LGB)

Wie Geodaten auch im Unterricht lebendig und greifbar werden können, zeigte Herr Siegert vom Marie-Curie-Gymnasium Hohen Neuendorf. Er stellte den Einsatz des GeoLab.BB (https://geolab.brandenburg.de/geolabbb/) vor, einer GDI-basierten Anwendung, die Lehrkräfte dabei unterstützt, Geodaten in den digitalen Unterricht einzubinden und komplexe Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln. Anhand einer praktischen Beispielaufgabe berichtete er von seinen Erfahrungen aus dem Schulalltag und demonstrierte die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Anwendung.

GeoLab.BB im Unterricht: Nutzung von Geodaten am Praxisbeispiel (Hr. Siegert, Marie-Curie-Gymnasium Hohen Neuendorf)

Herr Behling vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung präsentierte daraufhin das Forschungsprojekt AgroHyd-X. Im Fokus stehen die hochauflösende Niederschlagserfassung sowie die teilflächenspezifische Bewirtschaftung als Bausteine einer klimaangepassten Landwirtschaft. Neben einem Ausblick auf den geplanten Ausbau der Radarstandorte und die damit verbundene Verbesserung der Flächenabdeckung in Brandenburg wurden auch Perspektiven für die Integration der Daten in das Geoportal Brandenburg und den Metadatenkatalog der GDI-BB vorgestellt.

GDI-BB als Transferweg - Neue Umweltdaten aus dem GFZ (Hr. Behling, GFZ)

Einen Einblick in den Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Verarbeitung raumbezogener Informationen gab Herr Vierke vom Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz. Er stellte seine Masterarbeit zur automatisierten Georeferenzierung von Bebauungsplänen mithilfe von KI vor und erläuterte verschiedene methodische Ansätze sowie einen möglichen Workflow für die praktische Umsetzung. Das vorgestellte Verfahren soll künftig in der GDI Rheinland-Pfalz praktisch erprobt werden.

Georeferenzierung von Bebauungsplänen mit KI (Hr. Vierke, LVermGeo RLP)

Zum Abschluss der Online-Session stand das Thema Künstliche Intelligenz im Mittelpunkt. Herr Grotjahn von der LGB nahm die Teilnehmenden mit auf einen Blick hinter die Kulissen moderner KI-Systeme und erläuterte die einzelnen Verarbeitungsschritte von der Anfrage bis zur fertigen Antwort. Anknüpfend an die am Vortag gezeigten Anwendungsbeispiele verdeutlichte er, wie KI Muster in großen Datenbeständen erkennt und daraus passgenaue Ergebnisse für die Nutzerinnen und Nutzer ableitet.

Funktionsweise von KI-Systemen (Hr. Grotjahn, LGB)

Die Beiträge des zweiten Veranstaltungstages knüpften nahtlos an die Diskussionen des Präsenzformats an und rundeten das GDI-Forum Brandenburg 2026 ab. Über beide Veranstaltungstage hinweg wurde deutlich, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten von Geodaten sind und welche Chancen sich durch innovative Technologien und vernetzte Datenräume eröffnen. Gleichzeitig zeigte das Forum, dass der Erfolg der Geodateninfrastruktur maßgeblich vom Zusammenspiel von Verwaltung, Wissenschaft, Kommunen und weiteren Partnern abhängt.

Wir danken allen Referentinnen und Referenten für die interessanten Präsentationen und allen Teilnehmenden herzlich für ihre Diskussionsbeiträge. 

Wir hoffen, dass Sie das GDI-Forum nutzen konnten, um wertvolle fachliche Impulse zu gewinnen und neue Kontakte zu knüpfen. Bis zum nächsten GDI-Forum halten wir Sie mit aktuellen Informationen im GEOPORTAL Brandenburg, Schulungen und weiteren Angeboten auf dem Laufenden. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

Bis zum nächsten Mal

Ihre Kontaktstelle GDI-DE im Land Brandenburg